Bindung

Vier Merkmale der Feinfühligkeit

(nach Ainsworth)

Signale des Babys wahrnehmen, sie richtig interpretieren, promt und angemessen beantworten!

Babys, die so betreut werden, entwickeln sich nicht zu Schreikindern.

Sie schreien nur bei ungestillten Bedürfnissen nach Kontakt, Nähe, Wärme, Bewegung und Stillen oder wegen Müdigkeit, Kälte, Verdauungsangelegenheiten bzw. gesundheitlichen Problemen und Schmerzen, z.B. bei Spannungen infolge KISS oder WS-Blockierungen.

Und später?

Feinfühlige Eltern verlangen von ihren Kindern keinen "blinden Gehorsam", sondern möchten sie eher von den Notwendigkeiten überzeugen. Oder, wenn das noch nicht geht, weil sie noch zu klein sind, sie mit Freundlichkeit leiten und sie bei Enttäuschung trösten.

In der Folge erleben sich diese Kinder als wichtig und geliebt und folgen ihren Eltern aus Liebe und deshalb freiwillig. Sie nehmen so ein sicheres Bindungsmuster mit ins Leben als einen erheblichen Schutzfaktor vor Krankheiten.

"Gut und sinnvoll, dem Menschen gemäß
ist nur die aus eigenem Entschluss übernommene Pflicht,
der freiwillig geleistet Gehorsam."

J.W.v.Goethe
(aus "Iphigenie von Tauris")

Die sichere Mutter-Kind-Bindung von Anfang an - Komplexe Bindungsfaktoren

von Antje Kräuter

Um eine sichere Mutter- Kind-Bindung mühelos aufzubauen und den Signalen der Natur zu folgen, möchte ich folgende Faktoren verwirklichen helfen.
Ich nenne sie "Komplexe Bindungsfaktoren:

  1. Die natürliche Geburt
  2. Bonding der Mutter an ihr Kind unmittelbar nach der Geburt im Sinne von Sensitivierung und Prägung im Zusammenhang mit den Liebes- und Bindungshormonen und Körper- sowie Blickkontakt mit dem Neugeborenen
  3. Stillen als Bedingungs- und Verhaltensgefüge eines bindungssicheren Aufwachsens und die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Akzeptanz des biologischen Entwöhnungsalters
  4. Eine für die Primaten- und Säugetierherkunft des Menschen erklärbare Schlafgestaltung im Zusammenhang mit Stillen und Sicherheit (Co-sleeping)
  5. Bindung fördernde Tagesgestaltung unter Beachtung von Körperkontakt, Trageweisen und Kinderwagenrichtung
  6. Die feinfühlige Kommunikation zwischen Eltern und Kind
  7. Vermeiden von Trennungen zwischen den Hauptbezugspersonen und dem Kleinkind

Bei einer Gestaltung dieser Faktoren gemäß der biologischen Art des homo sapiens sapiens gibt es gravierende historische und kulturelle Unterschiede. Vor allem in den westlichen Industrienationen werden wichtige arteigene Betreuungsbedingungen unzureichend erfüllt und tragen möglicherweise zu einem Anstieg der unsicheren Bindungen mit all ihren psychopathologischen Folgen bei.

Newsletter für Familienfragen

Verluste und Bindungsprobleme in der Kindheit erhöhen ein späteres Burnout-Risiko

Burnout ist ein Erschöpfungssyndrom mangelnder Verarbeitung von arbeitsbezogenem Distress.

Wer aber ist besonders für einen Burnout gefährdet?

Wissenschaftler des Lehrstuhls für Entwicklungsgpsychologie der Universität Erlangen untersuchten 50 Patienten, die wegen eines Burnout-Syndroms in die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums Nürnberg aufgenommen waren. In ausführlichen Interviews gaben sie sowohl über ihre Bindungserfahrungen Auskunft als auch darüber, wie sie ihr Arbeitsumfeld erlebten - vom beruflichen Ehrgeiz, dem Distanzierungsvermögen und der erlebten Berufskompetenz über die Zufriedenheit am Arbeitsplatz bis hin zur sozialen und familiären Unterstützung.

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Frühe Kindheit:
Eine entscheidende Entwicklungsphase

In der frühen Kindheit werden die Weichen für das ganze Leben gestellt. Wie sehr sich beispielsweise Stress der Eltern auf das Baby auswirken, zeigen neue Forschungsergebnisse.

ganzer Artikel vom 21.01.2016 beim Deutschlandfunk

Was haben die jüngsten Veröffentlichungen in den Medien mit Bindung und Krippen zu tun?

einfach anklicken...

1. Freie Presse: "Eltern in Sachsen bundesweit am seltesten verheiratet":

In der Freien Presse Sachsen wurden auf Seite 2 am 21.10.2014 unter der Überschrift:
"Eltern in Sachsen bundesweit am seltesten verheiratet" drei Grafiken veröffentlicht:

Anteil von Ehepaaren in den einzelnen Bundesländern ergab Ost: 51% West: 74%
Anteil Lebensgemeinschaften: Ost: 21% West: 8%
Anteil Alleinerziehende: Ost: 27% West: 18%

Bindungsunsicherheit mit Risiken für die spätere Partnerschaft:

hier als pdf

2. Im idw Informationsdienst der Universität Bonn wurde eine Studie von Johannes Seiler über die Knochenstabilität an 175 gesunden 6- 18 Jährigen am 19.09.2014 veröffentlicht:

Je mehr Cortisol und Cortisol-Umbauprodukte sie im Urin fanden, desto fragiler war – bei vergleichbarer Zufuhr wichtiger knochenaufbauender Nährstoffe – im Schnitt der Unterarm-Knochen.

Schon seit Jahrzehnten sei bekannt, dass eine langfristige Gabe hoher Cortisol-Dosen zu Knochenschwund führen kann. Als neu erkannten sie aber, dass bereits die vom Körper natürlicherweise produzierten Cortisol-Mengen einen negativen Effekt haben können. Wenn in jungen Jahren zu wenige Mineralien in die Knochen eingebaut würden, kann eine mögliche Folge Jahrzehnte später etwa eine Osteoporose sein.

Wer produziert aber bereits in jungen Jahren zu viel Cortisol?

Diese Antwort gibt die Studie der AOK von 2012:

"Knochenbruch-Risiko ist im Osten besonders hoch - Bundesweite Frakturen-Statistik zeigt: Großstädte in den neuen Ländern ganz vorn"

veröffentlicht in Men's Health" 2/2014, EVT8.1.2014.

Es wurde festgestellt, dass alle ostdeutschen Großstädte die Statistik anführen und deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen. So erlitten 7,15 der Rostocker AOK-Versicherten 2012 eine Fraktur, in Magdeburg 6,34 %, in Berlin 4,95 %, in Halle/Saale 6,08 %, in Leipzig 5,52 %, in Erfurt 4,95 %, in Dresden 5,23 % und in Chemnitz 4,89 %. Demgegenüber reichte die Spannweite in Westdeutschland von nur 3,29 % der Duisburger AOk-Versicherten bis zu 4,63 % der Braunschweiger.

Ost: 5,7% West: 3,91%

Fazit: Cortisol ist ein Stress-Hormon, das v.a. bei unsicher gebundenen Kindern auf Grund ihres höheren Stresserlebens ausgeschüttet wird und in Krippenstudien als Belastungsfaktor festgestellt wurde.

Kinderärztliche Praxis 82 (2011) Nr. 5

"So müsste eine *kindergesundheitsorientierte* Familienpolitik z.B. dafür sorgen, dass Gruppentagesbetreuung nicht länger einseitig finanziell gefördert wird, denn speziell die U3-Betreuung setzt Kinder in einer wichtigen Knochenwachstumsphase unter massiven chronischen Stress" schreibt Dorothea Böhm (e-mail).

Schlussfolgerung:

Es zeigt sich eine mögliche Verbindung zwischen Krippen und Bindungsunsicherheit (Punkt 1) sowie Gesundheit (Punkt 2 ), da es im Osten einen deutlich erhöhten Anteil von Krippenkindern gab und gibt.

3. Eine Pressemitteilung des vom Familienverbund der Katholiken Bayerns "Viel Betreuung - viele Bildungsverlierer" zeigt weiterhin die Auswirkung der Krippenbetreuung auf das Lernen:

Ostdeutschland ist Spitzenreiter bei Schulabbrechern: Sachsen-Anhalt 11,1% - Bayern 4,6%. "Die Bundesländer mit dem üppigsten Ganztags- und Krippenangebot haben in Deutschland die meisten Schulabbrecher". Jedes einzelne ostdeutsche Bundesland läge über dem deutschen Durchschnitt von 5,6%.

Der Familienbund hat die Quoten der Schulabbrecher von 2012 neben die Quoten für Ganztagsgrundschulen von 2006 und die Quoten für Krippenplätze von 1998 gestellt: Es gab auffällige Unterschiede bei der Krippenversorgung Ost: 34,8% West: 1,9% sowie beim Angebot von Ganztags-Grundschulplätzen: Ost: 38,9% West: 4,9%
Die Raten der Schulversager im Osten waren dabei fast doppelt so hoch wie im Westen: Ost: 9,0% West: 5,2%.

Schlussfolgerung: Es gibt einen altbekannten Lehrsatz in der Psychologie von Erik Erikson:

"Lernen findet nur im entspannten Feld statt!"

Die Bindungsforscher drücken es so aus: Lernen findet nur statt, wenn das Bindungs (such-) verhalten nicht aktiviert ist, sich eine sichere Bindung entwickeln kann, die zu ausreichend Motivation und Angstfreiheit in der Schule führt.

Bindung und Lernen

Frühe Bindungsbeziehungen als Grundlage für Lernprozesse
von Antje Kräuter

"Menschen als soziale Wesen sind empfindlich für Zurückweisung, für Ablehnung, für Ausschluss aus der Gruppe und nicht zuletzt für Trennung von wichtigen Bezugspersonen. Sie empfinden dann je nach den Umständen Enttäuschung, Scham, Schuld, Wut, Eifersucht, Trauer, Angst und Verzweiflung. Diese Gefühle können ..."

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Bindung stärkt – Emotionale Sicherheit für Ihr Kind- der beste Start ins Leben

Rezension aus dem Kösel Verlag München, 2008
Evelin Kirkilionis

Endlich einmal ein Buch für Eltern über Bindung! Die Verhaltensbiologin widmet sich diesem psychologischen Thema sehr sachkundig und relativ umfassend. Die Bindung der Eltern zum Kind beginnt mit dem Bonding der Mutter unmittelbar nach der Geburt, ...

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Prävention psychischer Störungen

(Auszug aus: Kräuter, A. (2004) Das Schrei- und Schlafverhalten im ersten Lebensjahr bei Kindern mit hyperkinetischem Syndrom.
Retrospektive Untersuchung im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Wien, Brüssel, Fankfurt a. Main: Peter Lang.)

Das Anliegen meiner Arbeit ist, mehr Beachtung auf die Prävention innerhalb der frühen Entwicklung im ersten Lebensjahr zu lenken ... Deshalb sollen abschließend alle Fragen besprochen werden, die das Bonding der Mutter an ihr Kind und die Bindung des Kindes an die Hauptbetreuungspersonen betreffen, damit sein Gedeihen durch die Abwesenheit von Stresserfahrungen gefördert werden kann. Abwesenheit von Stress bedeutet aktive Prävention psychischer Störungen (Jacobs & Nadel, 1985). Gleichzeitig sollen Lücken in der wissenschaftlichen Forschung aufgezeigt werden, die dringend noch zu schließen sind.

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Das Schrei- und Schlafverhalten im ersten Lebensjahr bei Kindern mit hyperkinetischem Syndrom

Die Anthropologische Perspektive

nach einem Vortrag von Katherine A. Dettwyler auf dem Stillkongress der AFS 2010 in Köln

Die biologische Perspektive der Anthropologie umfasst die Evolution des Menschen und den Vergleich im Reich der Biologie mit den entwicklungsgeschichtlich nahestehenden Tieren, z.B. mit den großen Menschenaffen ... In Köln stellte Frau Dr. Dettwyler drei Bereiche der frühkindlichen Entwicklung im Vergleich zu den Säugetieren dar: Stillen und Entwöhnung, Tragen des Kindes, Babyschreien und kindlicher Schlaf ...

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Unsichere Bindung fördert Essstörungen

Aus: Deutsches Ärzteblatt für Psychotherapeuten, 11/2015, S. 517

Forscher an der McGill University Montreal befragten 213 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren zu ihrer Beziehung zu ihren Eltern und zu ihrem Essverhalten und stellten fest, dass Kinder mit unsicherem Bindungsstil häufiger hochkalorische Lebensmittel zu sich nahmen und weniger Kontrolle über ihr Essverhalten hatten als Kinder mit sicherem Bindungsstil. Dieses Ergebnis wurde in einer Studie mit 216 Erwachsenen bestätigt, wobei rückblickend auf deren Bindungsstil in ihrer Kindheit Bezug genommen wurde.

Faber A, Dubé L : Parental attachment insecurity predicts child and adult high-caloric food consumption. J. of Health Psychology 2015, 20:511-524

Ist Bindung der Schlüssel?

ein Artikel von Christina Hucklenbroich, Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26.10.2013

zum Artikel: Psychosomatik: Ist Bindung der Schlüssel?

Babys vertauscht- "Im falschen Leben" ein Film von ARD 13.5.2015 voller psychologischer Fehler und ohne Reflexion der Kinderschicksale

Eine Stellungnahme von Antje Kräuter

"Erst kurz vor dem einjährigen Geburtstag der beiden Mädchen erfuhren ihre Eltern von dem Unglück: unmittelbar nach der Geburt wurde ihnen das falsche Baby überreicht! Beide liebten es und wurden im Film als gute Mütter bezeichnet, eine Karrierefrau in den Dreißigern im Babyjahr und eine Studentin ohne Partner allein zwischen Haushalt, Krippe und Studium.

Die Frage ist, ob ein Film über die weichenstellende frühe Kindheit und die Handlungen von Eltern von Kleinstkindern, der für die Bevölkerung lehrbuchhafte Wirkung haben kann, den Erkenntnissen der Wissenschaft und Praxis der Bindungslehre bzw. der Kenntnisse über die Anthroplogie der menschlichen Entwicklung widersprechen darf. Die Auswirkungen auf Normen der Babybehandlung sind gegeben und könnten dem Kindeswohl diametral gegenüber stehen.

Nun die Kritikpunkte:

Im ganzen Film geht es an keiner Stelle um die Gefühle der Babys, die kaum weinten, und die seltsamerweise nicht auf Trennung von ihrer Mutter reagierten!

Als das Jugendamt Kindesentführung bei der Studentin befürchtete und vom anwesenden Elternpaar deren Einjähriges daraufhin überzogen über Nacht in Obhut bei einer Pflegefamilie nahm, wurde kein Wort über die traumatische Auswirkung dieser abrupten Trennung auf das kleine Mädchen gesprochen! Auch die Eltern machten sich im Film nur Sorgen, ob sie dort auch zur richtigen Zeit ihr Fläschchen bekam! Welche unsensiblen und selbst bindungsunsicheren Menschen müssen diese Passagen konstruiert haben!Das Kind wurde am nächsten Tag ohne Auffälligkeiten einfach der neuen leiblichen Mutter übergeben, ohne dass es sich nach seiner bisherigen Mama, die daneben stand überhaupt umgesehen und ohne dass es Anzeichen von einer durchweinten und unruhigen Nacht gezeigt hätte. Klar, die Filmbabys reagieren nicht so, es sind ja keine leiblichen Kinder der Schauspieler, aber man hätte es hinbekommen, ein weinendes Baby, das seine Arme nach seiner Mama ausstreckt, zu filmen! So entsteht der Eindruck, dass man Babys, einfach wie Gegenstände, abgeben kann!Nur die Gefühle der Mütter wurden verfilmt und deren Leid, das aber trotzdem in keiner Relation zur wirklichen Sorge stand, die eine Mutter ergreift, wenn sie ihr Baby, zu dem sie ein Jahr lang eine intensive Bindung aufgebaut hat, einfach so aus ihrem Leben entfernen muss. Aber auch hier fand man keine Worte, die wirkliche mütterliche Liebe und Fürsorge ausdrückten: die junge Studentin sagte nur zu ihrem Kind bei einer berührenden Szene am Vorabend des Kindertauschs: "Vergiß mich nicht!" Diese junge Mutter hat Sorge, vergessen zu werden, ein Relikt wohl aus einer eigenen Bindungsgeschichte? Sie zeigt keine Sorge, ob die neue Mutter das Kind wohl wird lieben können? Nur aus dem Bewusstsein heraus, dass es ein leibliches aber bisher doch ganz fremdes Baby ist, kann so schnell keine wirkliche Liebe und Bindung enstehen!"

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"An dieser Stelle muss man sich fragen: ist der Tausch mit einem Jahr gerechtfertigt? Soll das schwere Trauma, das bei den beiden Kindern ausgelöst wird, dafür in Kauf genommen werden? Die Babys werden allmählich auch eine Bindung an ihre neuen leiblichen Mütter bekommen, aber ein Verlusterleben prägt sich trotzdem tief in das sich entwickelnde emotionale Gehirn, besonders hier in der sensiblen Zeit des Fremdelns, ein. Dies wird in keinster Weise thematisiert! Als ich meinen Mann fragte, was wäre denn, wenn wir das im Alter von einem Jahr bei unserem Sohn erfahren hätten? Hätten wir ihn getauscht? Die sofortige Antwort aus dem Bauch heraus war: Nein, das geht dann nicht mehr!

Als Zuschauerin habe ich ständig gehofft, dass die Sorge und die Gefühle für das bisherige Baby bei den beiden Müttern siegen würden und sie diese Babys adoptieren werden. Leider hat man eine fürchterlich inkompetente und unserem Berufsstand schadende Psychologin im Film auftreten lassen, die den Eltern den Tausch schmackhaft machte! Man muss dazu anmerken, dass sie keine Psychotherapeutin, sondern "nur" eine beim JA arbeitende Dipl.Psychologin war, deren Ausbildung für solche Gefühlsfragen nicht ausreicht. Auch an der Gesprächsführung dieser Person war keinerlei Professionalität zu erkennen, sondern reine stereotype Alltagskommunikation, die nur durch den angepriesenen Beruf bei den Eltern Wirkung zeigte. Sie fragte überhaupt nicht nach den Gefühlen, sondern trat betont kühl und (un)sachlich auf. Die Frage ist, inwiefern sich Psychotherapeuten wehren könnten, dass man bei der Vorbereitung eines so bedeutungsvollen Films über die Wirkung der Bindung im Kleinstkindalter, nicht sie als die richtigen Experten konsultiert. Wenn man in Filmen Operationen verfilmt, läßt man doch auch keine Hausärzte (DM) sprechen, sondern Anästhesisten oder Chirurgen. Der Beruf des Psychotherapeuten enstpricht einer weiterführenden Facharzt-Ausbildung nach dem Diplom-Studiengang! Außerdem müßte mittlerweile jedem Filmemacher bekannt sein, dass es für Fragen von Bindung und Trennung und Fragen der frühen Kindheit Experten der Bindungswissenschaften gibt, die man sehr leicht recherchieren und konsultieren kann und auch zusätzlich unbedingt sollte!

Kein Tier würde ein neues Jungtier im Tausch annehmen, vielleicht dann, wenn sein eigenes verstorben ist. Im Film jedoch lebt das bisherige Kind doch noch und sehnt sich nach seiner Hauptbezugsperson, für die es in seinem jungen Gehirn ein bedeutungsvolles Bindungsareal mit allen damit im Zusammenhang stehenden Neurotransmittern und Neuropeptiden aufgebaut hat! Auch die Mutter hat es spezifisch für das Baby im ersten Jahr entwickelt und wird auch die Trennung traumatisch erleben.

Nicht zuletzt machte sich die ältere Mutter mit Recht Gedanken um den Alltag ihres ehemaligen Kindes bei der neuen Mutter, die in den nächsten Tagen eine Examensarbeit schreiben musste und ihre Nora nun auch sofort und ohne Eingewöhnung am nächsten Tag in die Krippe abgeben wollte! Mit klugen (politischen?) Sprüchen machte der Karrieremann seiner Frau den Vorwurf, nicht alle Mütter hätten genug Geld und Sicherheit wie sie beide, wie könne sie nur so unfeinfühlig sein! Er akzeptierte angeblich voll, dass seine ehemalige Tochter eine doppelte Verunsicherung erfahren würde: Trennung von den Eltern und Abgabe in eine Krippe ohne eine neue feste Beziehung aufgebaut zu haben, weder abends zur neuen leiblichen Mutter, noch tagsüber zu einer Erzieherin in einer notwendigen sehr langen Eingewöhnungsphase! Ist dieser Film ein Auftragswerk der Politik und soll die Krippenideologie weiterhin verharmlosen?

Das Gefährliche ist die Lernwirkung auf junge Menschen, die diesen Film sehen. Auch sie lernen hier, die Signale der Kinder seien unwichtig und nicht zu berücksichtigen. Auch als von den so "wunderbar" allein schlafenden Babys nachts doch eins mal kurz weinte, lauschten die Eltern und die junge Mutter nur, wer es denn von beiden sei und machten keine Anstalten, bindungsgerecht, nämlich feinfühlig zu reagieren, das denn wäre: Signale wahrnehmen und prompt beantworten! Abgesehen vom richtigen Interpretieren- nämlich als Verlassenheitsweinen allein im Bettchen in der dunklen Nacht! Das kann man von unseren Zivilisationsmenschen schon gar nicht mehr erwarten- und führt zur Grundlage einer Vulnerabilität, die sich bei weiteren Bindungserschwernissen in einer aktuell exorbitanten und kontinuierlich zunehmendenPrävalenz für psychische Störungen bei Kindern und Erwachsenen zeigt."

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10.12. um 9.30 Uhr in Stollberg.
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