Stillen

Jede Mutter kann bei richtiger Hilfe so lang stillen, wie das Baby es möchte

Stillhotline der AFS: 0228 92 95 9999

kostenfrei aus dem deutschen Festnetz, abweichende Mobilfunktarife möglich

Still-Lexikon: Das Infoportal rund ums Stillen

www.verzeichnis.still-lexikon.de

Frühgeborene eines Jahrgangs in England würden dem dortigen Gesundheitssystem 54,4 Mio Euro an Kosten ersparen, würden sie mit Muttermilch ernährt.

Mahon J, Claxon L, Wood H. Modelling the cost-effectiveness of human milk and breastfeeding in preterm infants in the United Kingdom, Health Econ Rev. 2016;6:54

Am 18. Mai 2001 hat die Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA), die Versammlung aller Mitgliedsstaaten der WHO, eine Resolution verabschiedet, in der es heißt: “Die WHA fordert die Mitgliedsstaaten auf, die Anstrengungen zu verstärken und neue Herangehensweisen zu entwickeln, um das ausschließliche Stillen für die Dauer von 6 Monaten als weltweite Empfehlung für die öffentliche Gesundheit zu schützen, zu fördern und zu unterstützen, unter Berücksichtigung der Ergebnisse des WHO-Expertengesprächs über die optimale Dauer ausschließlichen Stillens und sichere und angemessene Beikost zur Verfügung zu stellen bei fortgesetztem Stillen bis zu zwei Jahren oder darüber hinaus, den Schwerpunkt auf Wege für die Verbreitung dieser Konzepte legend um die Gemeinschaften dahin zu führen, diese Praktiken anzuwenden.”

Manager der Weltbank: Förderung des Stillens profitabelste Investition

Link: www.fuerkinder.org

Wenn selbst ein Top-Manager der Weltbank in Washington, Keith Hansen, Vice President for Human Development, die Förderung des Stillens für die genialste und profitableste Investition hält, muss ja etwas dran sein am Stillen:

Breastfeeding_-_a_smart_investment_in_people_and_economies (pdf)

Stillen in der Öffentlichkeit

Schottland erlässt Gesetz zum Schutz des Stillens

AGB-Pressemitteilung vom 11. März 2005

Breastfeeding etc. (Scotland) Act 2005 2005 asp 1

Als eines der ersten Länder der Welt verabschiedet Schottland ein Gesetz zum Schutz des Stillens. Am 18. Januar unterzeichnete die Queen den „Breastfeeding etc. (Scotland) Act 2005“.

Damit ist es jetzt in Schottland strafbar, eine Mutter davon abzuhalten, ihr Kind in der Öffentlichkeit zu stillen. Wer künftig einer Mutter in der Öffentlichkeit untersagen will, ihr Kind an die Brust zu legen, muss nach diesem Gesetz mit Geldstrafen bis zu 2.500 Pfund rechnen.

Dabei bedeutet „Öffentlichkeit“ jeder Ort, der der Bevölkerung frei zugänglich ist also nicht nur Straßen und Plätze, sondern auch Ämter, Gaststätten, Theater usw.

Begünstigt unzureichendes Stillen das Aufmerksamkeits- Hyperaktivitäts- Syndrom (ADHS)?

In einer Studie aus Istanbul (Department of Child and Adolescent Psychiatry, Marmara University School of Medicine) wurden 44 Mütter von 7 – bis 17-Jährigen Kindern mit ADHS rückwirkend nach der Länge ihrer Stillzeit befragt. Als Grund für die Durchführung dieser Untersuchung wurde angegeben, dass Studien konsistent gezeigt hätten, dass Kinder mit ADHS unzureichende Zeit ausschließlichen Stillens erlebt haben.

In dieser Studie sollte der Grund dafür gefunden werden, warum Mütter diese Kinder gar nicht oder weniger als 6 Monate ausschließlich gestillt hatten. 80 % der Mütter gaben unzureichende Milchmenge als Ursache an, 9 % gaben Ablehnung des Kindes an, 7 % arbeiteten zeitig wieder und 4 % der Mütter berichteten über eigene medizinische Probleme. Die Autoren empfehlen Aufklärung der Mütter über die Vorteile des Stillens und Unterstützung bei der Lösung der Probleme, die während der Zeit des exklusiven Stillens auftreten. (Sabuncuoglu, O., Irmak, M.Y. (2016). Causes of early weaning in children with Attention-Deficit/Hyperacitivity Disorder. Vorgestellt wurde diese Studie auf dem Weltkongress der Gesellschaft für die Seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (WAIMH) http://waimh2016.org/ Kommentar Antje Kräuter: Betrachtet man Stillen als Bestandteil artgerechten Aufwachsens und unter dem hohen bindungsfördernden Aspekt, dann wird das Baby bei unzureichendem Stillen nicht nur weniger optimal mit Nähr- und Immunstoffen versorgt, sondern befindet sich in den meisten Fällen auch weniger häufig in engem Körperkontakt mit der Mutter. Beides wäre jedoch wichtig für ausreichendes hormonelles Gleichgewicht im Körper, besonders des Levels des Oxytocin im Blut, dass in Verbindung zur Stressachse und in Verbindung mit dem Bindungssystem steht. Jede Mutter, die es möchte, kann heute mit der Hilfe nationaler und internationaler Stillorganisationen ( http://www.lalecheliga.de/ , in Deutschland zusätzlich http://afs-stillen.de/afs-vor-ort/stillberatung.html) ausreichend stillen, da diese ausgebildete Beraterinnen ehrenamtlich bereitstellen, die helfen können, wenn die Kenntnisse des öffentlichen Gesundheitssystems nicht ausreichen.

Auf dem Weltkongress der Gesellschaft für seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit

wurde die Beeinträchtigung des mütterlichen Schlafs nach der Geburt untersucht. Man wollte herausfinden, ob die Schlafbeeinträchtigungen evtl. durch das Stillen größer als beim Flaschenfüttern ist, fand jedoch keinen Unterschied.

Sleep of breastfeeding and formula feeding mothers and infants in the early postpartum period. Rudzik, A.E.F., Ball, H.L.; Department of Anthropology, Durham University, Durham, United Kingdom

http://www.waimh.org

Stillende Mütter - weniger Diabetes-Risiko

Daten der Potsdamer EPIC-Studie zeigen, dass Frauen, die gestillt haben, im Vergleich zu Frauen, die nicht gestillt haben, ein um ca. 40 Prozent verringertes Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, haben.
Bei den Müttern aus einer Kohorte von 1262 Frauen verminderte sich das Risiko jeweils um 27 % pro weitere 6 Monate Stillzeit (es wurde bis zu einer Stillzeit von 11 Monaten untersucht).

In der Studie durchgeführte Biomarker-Analysen weisen zudem darauf hin, dass eine lange Stillzeit mit einem langfristig verbesserten Stoffwechselprofil der Mutter einhergeht.

Breast-feeding and maternal risk of type 2 diabetes: a prospective study and meta-analysis(S. Jäger, S. Jacobs. J. Kröger, A. Fritsche, A. Schienkiewitz, D. Rubin, H. Boeing, M. B. Schulze)Diabetologia , July 2014, Volume 57, Issue 7, pp 1355-1365

Stillen und Leukämie

Dr. Rainer Siewert
Nutricia-Forum für Muttermilchforschung
Dr. oec. troph. Rainer C. Siewert
Tel. +49 (0)5849 4749 965 | Mobil +49 (0)175 439 5380

www.nutricia-forum-muttermilchforschung.org

Kinder, die als Babys gestillt wurden und eine enge Mutterbeziehung hatten, entwickeln als Schüler ein ausgeprägteres Gehirn vor allem im Bereich des Hippocampus, der für das Lernen, die Erinnerungsleistung und die Stressbewältigung ausschlaggeben ist.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler an der Washington University School of Medicine in St. Louis, USA. Die Forscher hatten 92 Kinder über einen längeren Zeitraum beobachtet, ihr Verhalten per Video dokumentier und ihre Gehirne mit modernen bildgebenden Verfahren gemessen.

"Unsere Untersuchungen bestätigen eigentlich nur, was wir eigentlich intuitive wissen, nämlich wie wichtig die Zuwendung der Eltern ist für die Entwicklung der Babies zu selbstständigen, anpassungsfähigen Individuen“, so die Kinderpsychologin und Leiterin der Forschungsgruppe Prof. Dr. Joan L. Luby

Quelle: Science Daily
Studie: J. L. Luby et al., Maternal support in early childhood predicts larger hippocampal volumes at school age.
Proceedings of the National Academy of Sciences, vorab online publiziert, 30. Januar 2012

Langzeitstillen: Studie über das Stillen von Kleinkindern in Deutschland

Aus:
"Langzeitstillen-Studie über das Stillen von Kleinkindern in Deutschland"
Dipl. Arbeit im Studiengang Medizinische Dokumentation und Informatik
von Ulrike Koch, Hochschule Ulm

Studie: über 12 Monate hinaus gestillte Kinder
hatten einen um 4 Punkte höheren Intelligenzquotienten.

Gestillte Kinder: schlanker, intelligenter und höheres Einkommen (pdf)

Newsletter für Familienfragen von
Verantwortung für die Familie e.V.

Stillen im ersten Vierteljahr

"Babys senden feine Stillsignale. Diese sind vielfältig und manchmal unaufdringlich. Das Baby bewegt sich, dreht den Kopf hin und her, macht Saug- und Schmatzgeräusche, öffnet den Mund, streckt die Zunge heraus, mit offenen und auch mit geschlossenen Augen, schnelle Augenbewegungen hinter den Lidern sind erkennbar.
Eltern erwarten eher, dass ihr Kind schreit. Das ist ein sehr spätes Stillsignal. Manche Babys schreien erst sehr spät oder praktisch nie. Andere schreien schnell. Auf jeden Fall ist es schwerer ein schreiendes Baby an die Brust zu legen. Dieses schläft dann - endlich an die Brust gelegt - oft erschöpft durchs Schreien ein und stillt nicht. Das Baby, das eher nicht schreit, hat manchmal mehrfach vergeblich mit geschlossenen Augen seine Arme bewegt, sehr intensiv geschmatzt und hat dann weiter geschlafen als keiner reagiert hat."

Hebamme Katja Biernath-Kruse

www.fuerkinder.org

Stillkinder wollen keine Schnuller

kann man schlussfolgern, wenn man den Stillmüttern zuhört.Sie bemühen sich meist vergebens, ihrem Baby diesen schmackhaft zu machen.Wenn es nicht gelingt, können sie sicher sein, kluge Babys zu haben, die dafür sorgen, dass sie endlich doch wieder dorthin kommen, wo es ihnen einfach am besten gefällt: an die Mutterbrust.
Stillen ist nicht nur Ernährung, es ist viel, viel mehr: Nuckeln bewirkt Trost und Entspannung. Stillen ist Auftanken nach den neuen Eindrücken und Immunstoffe abholen.Damit ist klar, dass das Baby öfter nach der Brust verlangt, also auch einfach mal zwischendurch.
Am allerwichtigsten ist das Nuckeln zum In-den Schlaf-finden, und auch das ist am schönsten und entspannendsten am warmen mütterlichen Körper mit der wohlschmeckenden warmen Milch aus einem weichen "Sauger".

Babys, denen ein freier Zugang zur Brust nicht verwehrt wird und deren Mütter ihre Brustwarzen aus der eindeutigen Form heraus als Vorbild für das Kunstprodukt Schnuller akzepieren und dem Plastikobjekt vorziehen, haben das Glückslos gezogen!Sie garantieren mit ihrem häufigen Saugen vor allem, dass immer genug Milch produziert wird.Je öfter angelegt wird, um so mehr Muttermilch wird gebildet.
Und je öfter Mutter und Kind stillen, desto entspannter und erholter ist beider Körper auf Grund der Stillhormone. Noch besser, wenn es sich die Mama dabei auch gut gehen läßt.Zum Beispiel: Schlafe, wenn dein Baby schläft!
Erlaube dir, dein Baby in den Schlaf zu stillen, indem du dich ganz entspannt daneben legst!

Antje Kräuter

Eine Studie aus Science-Report zeigt:

Stillende Mütter sind empfänglicher für Freude und unempfindlicher gegenüber Ärger

Breastfeeding experience differentially impacts recognition of happiness and anger in mother

(K. M. Krol, S.v. K. Kamboj, H. V. Curran & T. Grossmann)
Max-Planck-Institut Leipzig, University College London und Univerity of Virginia, USA
Sci Rep 2014; 4:7006. doi: 10.1038/srep07006.

http://www.nature.com/articles/srep07006

Bindungsförderung durch Stillen

(The Promotion of Bonding through Breastfeeding)
von Antje Kräuter

Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen

"Bindung ist in aller Munde. Jeder Mensch braucht eine sichere Bindung am Lebensanfang an seine wichtigste(n) Hauptbezugsperson(en). Unsere Neugeborenen sind noch sehr hilflos, werden noch ganz unreif geboren.

Und doch sind sie, seit es Menschen gibt, mit einer großen Kompetenz ausgestattet, die tief biologisch verankert und unabhängig von kulturellen Praktiken beachtet werden muss.

Diese Kompetenz heißt: Babys können mit ihren Signalen für sich sorgen und sich an die Betreuer binden, wenn man diese Signale feinfühlig beachtet ... Stillen als Interaktion förderndes Verhalten auf allen Ebenen (Panksepp, 1992; Haug-Schnabel, 1993) hat womöglich die größte Bindung fördernde Wirkung in der Babyzeit, u. a. auch dadurch, dass Trennungen zwischen der stillenden Mutter und dem Kind praktisch kaum möglich sind."

Zum Artikel (pdf)  deutsch  englisch

Vorteile des Stillens

Aus: „Vom Glück des Stillens“ von Eva Herman
Mit freundlicher Genehmigung von Eva Herman

  1. Muttermilch enthält nachweislich über 200 verschiedene Bestandteile und Inhaltsstoffe.
  2. 1 Tropfen Muttermilch enthält 4000 lebende Zellen.
  3. Muttermilch ist immer verfügbar, keimarm und richtig temperiert.
  4. Die Fettreserven, die während der Schwangerschaft eingelagert wurden, werden durch das Stillen abgebaut. Viele Frauen erreichen so schneller ihr Vorschwangerschaftsgewicht.
  5. Stillen beeinflusst die Rückbildung der Gebärmutter und reduziert den nachgeburtlichen Blutverlust der Mutter.
  6. Stillende Frauen sind durch Stillhormone entspannter und ausgeglichener.
  7. Die geistige und motorische Entwicklung wird durch die Art der frühen Ernährung beeinflusst.
  8. Die erste Milch, das Kolostrum, ist ein wesentlicher Infektionsschutz für das Kind.
  9. Muttermilch enthält Schutzstoffe gegen Bakterienwachstum.
  10. Stillen fördert die Entwicklung des Kindes.
  11. Frühes und häufiges Stillen sowie die einzigartige Zusammensetzung der Muttermilch beugt Neugeborenengelbsucht vor.
  12. Muttermilch schützt vor Mittelohrentzündung.
  13. Muttermilch schützt vor Herzerkrankungen.
  14. Ausschließliches Stillen schützt vor Diabetes.
  15. Muttermilch mindert das Allergierisiko des Babys, z.B. durch das arteigene Eiweiß.
  16. Muttermilch passt sich dem augenblicklichen Bedarf des Kindes an.
  17. Durch das Stillen erfährt das Baby sehr häufig Hautkontakt - etwa 600Stunden im ersten halben Jahr.
  18. Dies unterstützt die seelische Entwicklung des Babys.
  19. Stillen verschafft der Mutter mehr Zeit für ihr Baby.
  20. Stillen unterstützt das optimale Wachstum von Kindern.
  21. Stillen fördert die Sprachentwicklung durch eine gesunde Entwicklung der Kiefer und der Zahnstellung, der Zungen- und Gesichtsmuskulatur.
  22. Gestillte Kinder weinen weniger.
  23. Stillen ermöglicht der Mutter auch in angespannten, hektischen Zeiten kleine Erholungspausen.
  24. Stillen bietet die optimalen Bedingungen für einen guten Blickkontakt zwischen Mutter und Kind.
  25. Muttermilch schützt gegen häusliche Keime. Das ist besonders vorteilhaft, wenn das Baby anfängt, zu krabbeln oder alles in den Mund steckt.
  26. Gestillte Kinder haben ein besseres Sehvermögen.
  27. Ein Stillkind kann ohne großen Aufwand mitgenommen werden.
  28. Stillen senkt die Säuglingssterblichkeit.
  29. Stillen mindert die Chance, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken.
  30. Volles Stillen nach Bedarf verzögert das Wiedereinsetzen der Fruchtbarkeit.
  31. Stillen bietet Müttern Schutz vor Osteoporose.
  32. Stillen erspart den Eltern und dem Baby Arztbesuche.
  33. Stillen belastet die Umwelt nicht, weil die energie- und rohstoffintensive Herstellung, der Transport und die Verpackung der künstlichen Nahrung wegfallen.
  34. Ausgaben für Milchpulver, Flaschen und Sauger sind überflüssig. Man spart viel Geld!
  35. Gestillte Kinder sind seltener krank. Sie benötigen weniger Medikamente und müssen während ihres ersten Lebensjahres 10-mal weniger stationär behandelt werden.
  36. Durch Stillen spart unser Gesundheitssystem Kosten.
  37. Stillen macht Frauen stark. Es stärkt das Selbstbewusstsein.
  38. und es geht weiter, denn neue Erkenntnisse über die Vorteile des Stillens und den Wert der Muttermilch werden laufend gewonnen ...

Autorinnen: Gitta Hülsmeier

Stillen und die Verwendung von Muttermilch

(Quelle: Stillzeit, die Fachzeitschrift der AFS, Ausg. 2/2012) --> www.afs-stillen.de

Unter diesem Titel wurden die neu überarbeiteten Richtlinien der American Academy of Pediatrics, einem der wichtigsten Verbände von Kinderärzten weltweit, veröffentlicht.

Dese Fachgesellschaft hat eine lange Tradition in Sachen Stillen. Bereits 1997 hat sie ganz klare Stillempfehlungen ausgesprochen. Wie bei allen guten Leitlinien werden auch diese Empfehlungen immer wieder überarbeitet und die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung fließen mit hinein. Die wichtigsten Erneuerungen werden hier zusammengefasst:

  1. Sehr deutlich wird gesagt, dass die Entscheidung zum Stillen nicht im Bereich "Lifestyle", also in Bereich des persönlichen Lebensstils anzusiedeln ist, der, wie z.B. Kleidung oder MakeUp, nur von den Vorlieben der Mutter abhängen sollte. Das Stillen hingegen ist eine ganz grundsätzliche und wichtige Gesundheitsentscheidung für das Wohlergehen des Säuglings. Es gibt überzeugende wissenschaftliche Belege, dass Nichtstillen das Risiko für eine Vielzahl an Erkrankungen erhöht, wie z.B. Infektionen, Allergien und Plötzlichen Kindstod. Die Effekte des Nichtstillens sind auch im späteren Alter noch bemerkbar, indem das Risiko für Adipositas, Herzkrankheiten, Zuckerkrankheit und Krebserkrankungen erhöht ist.
  2. In früheren Ausgaben der Richtlinien waren sich die Experten noch nicht ganz einig. Jetzt sind sie es aber. Es wird empfohlen, etwa 6 Monate ausschließlich zu stillen und danach mit geeigneter Beikost weiter zu stillen, solange Mutter und Kind das wünschen.
  3. Frühgeborene, die ein sehr niedriges Geburtsgewicht haben (unter 1500g sollten ausschließlich mit humaner Milch gefüttert werden, damit das Risiko für Infekte und das damit einhergehende Risiko für Operationen im Bereich des Magen-Darm-Traktes minimiert werden und damit eine optimale neurophysiologische Entwicklung beim Frühgeborenen gefördert wird.
  4. Für die Kontrolle des Wachstums sind die WHO-Wachstumskurven maßgebend, damit Säuglinge nicht zu schnell als "schlecht gewachsen" beurteilt werden. Muttermilch ist die normale Säuglingsernahrung und deshalb ist das Wachstum der Kinder, die mit Muttermilch ernährt werden, Grundlage für die Beurteilung normalen Wachstums.
  5. Um Müttern das Stillen optimal zu ermöglichen und um das ausschließliche Stillen in den ersten 6 Monaten zu fördern, braucht es verschiedene Rahmenbedingungen. Es sollte eine gut ausgebildete professionelle Unterstützung für die Mutten-Kind-Paare vorhanden sein, wie z.B. in den Babyfreundlichen Krankenhäusern. Auch sollten Gesetze vorhanden sein, die Arbeitgeber verpflichten, Räume und Zeit zum Abpumpen oder auch Stillen bereit zu stellen.

Es ist schön, dass die Amerikanische Pädiatrische Fachgesellschaft sich so unumwunden für das Stillen einsetzt. Zu hoffen ist, dass diese Erklärung auch die deutschen Kinderärzte erreicht.

Elien Rouw

Eidelmann Al. Schanle RJ, Section on Breastfeeding:
Breastfeeding and the Use of Human Milk.Pediatrics 2012:129:e827-e841

Hier kann man den kompletten Text lesen

Breastfeeding, brain activation to own infant cry, and maternal sensitivity

Stillen, Gehirnaktivität beim Schreien des eigenen Kindes und mütterliche Feinfühligkeit

Pilyoung Kim, Ruth Feldman, Linda C. Mayes, Virginia Eicher, Nancy Thompson, James F. Leckman and James E. Swain

1Child Study Center, Yale University School of Medicine, New Haven, CT, USA; 2Department of Human Development, Cornell University, USA; 3The Leslie and Susan Gonda Brain Science Center, Bar-Ilan University, Israel; 4The Anna Freud Centre, London, UK; 5Department of Psychiatry, University of Michigan, Ann Arbor, MI, USA

Journal of Child Psychology and Psychiatry 52:8 (2011), pp 907-915

Hintergrund:

Forschungen weisen auf die Wichtigkeit des Stillens zur Förderung eines engen Mutter-Kind Kontakts und der sozial-emotionalen Entwicklung hin. Kürzliche Studien mit der funktionellen Magnet-Resonanz-Topografie (fMRI) haben Gehirnregionen identifiziert, die in Beziehung mit mütterlichem Verhalten stehen. Jedoch wenige Untersuchungen widmeten sich bisher den neurobiologischen Mechanismen bei menschlichen Müttern, die der Beziehung zwischen Stillen und mütterlichem Verhalten zugrunde liegen.
Wir untersuchten die Zusammenhänge zwischen Stillen, der Gehirnreaktion der Mutter auf die Stimuli des eigenen Kindes und der mütterlichen Sensitivität in der ersten Zeit nach der Geburt.

Methoden:

Siebzehn biologische Mütter von gesunden Neugeborenen nahmen teil und wurden in Gruppen entsprechend der Fütterungsmethode eingeteilt- ausschließliches Stillen und ausschließliches Füttern mit der Flasche zum Zeitpunkt von 2 bis 4 Wochen nach der Geburt. fMRI-Scans wurden im ersten Monat nach der Geburt durchgeführt, um die mütterliche Gehirnaktivität hinsichtlich der Reaktion auf das Schreien ihres eigenen Babys im Vergleich zu einem anderen Baby zu untersuchen. Dyadische Interaktionen zwischen Müttern und Neugeborenen 3 bis 4 Monate nach der Geburt wurden mittels Video zu Hause aufgenommen und von "blinden" Untersuchern (die die Zuordnung der Mütter zu den Gruppen nicht kannten) hinsichtlich der mütterlichen Sensitivität ausgewertet.

Ergebnisse:

Im ersten Monat nach der Geburt zeigte sich bei stillenden Mütter eine größere Aktivität im superioren frontalen Gyrus, in der Insula, im Präcuneus, im Striatum und in der Amygdala während sie das Schreien ihres Babys hörten im Vergleich zu den Formula fütternden Müttern. Bei beiden Gruppen, stillenden und Formula fütternden Müttern, waren stärkere Aktivierungen im rechten superioren frontalen Gyrus und der Amygdala mit höherer mütterlicher Sensitivität 3 bis 4 Monate nach der Geburt assoziiert.

Schlussfolgerungen:

Die Ergebnisse weisen auf die Verbindung zwischen Stillen und stärkerer Reaktion von Gehirnregionen auf kindliche Signale resultierend im Mutter-Kind-Bonding und der Empathie während der ersten Zeit nach der Geburt hin. Solche Gehirnaktivitäten können eine größere mütterliche Feinfühligkeit ermöglichen für den Eintritt der Babys in ihre soziale Umgebung.

Baby-Led Weaning – feste Nahrung ab Beikostreife

von Alexandra Waldschmidt

Auszüge aus den aktuellen "Stillzeit"-Ausgaben

Das natürliche Alter zum Abstillen

von Katherine Dettwyler PhD
Sektion Anthropologie der A und M Universität, Texas, USA

Originaltitel des Textes: "A Time to Wean"

"Ich begann meine Forschungsarbeit mit den tierischen Primaten. Sie sind unsere engsten Verwandten im Tierreich, was insbesondere auf Schimpansen und Gorillas zutrifft, die 98% ihrer Gene mit dem Menschen teilen. Ich betrachtete zunächst die verschiedenen Variablen der "Lebens-Geschichte" (wie z.B. Tragzeit, Geburtsgewicht, Wachstumsrate, Alter für die Geschlechtsreife, Alter beim Zahnen und Lebenserwartung) und untersuchte dann, wie sich das Verhältnis dieser Variablen zum Alter des Abstillens bei diesen Tieren darstellt. So gelangte ich zu Vermutungen, bei welchem Alter Menschen "natürlicherweise" abstillen würden, wenn es keine kulturbedingten Regelungen dafür gäbe."

Zum Artikel (pdf)

mit freundlicher Unterstützung durch www.uebersstillen.org

Stillen schützt möglicherweise vor Multipler Sklerose

Diese Erkenntnis hatte ich persönlich vor 29 Jahren und unserer Kinderärztin mitgeteilt, nachdem ich eine Ausbildung zur Stillberaterin gemacht und sehr viel Literatur rund um die frühe Kindheit gelesen hatte.

zum ganzen Artikel von Antje Kräuter (pdf)

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